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1zu1_EINE WAND, EIN DACH EINE TREPPE, EIN RAUM

ein Folly im Lichthof der Fachhochschule

Sommersemester 2004

Wenn man bestimmen sollte, was ein Haus von allen anderen Artefakten...

Wenn man bestimmen sollte, was ein Haus von allen anderen Artefakten unterscheidet, sind es vor allem seine besonderen Aufgaben als unmittelbarer und umfassender Schutz- und Versammlungsraum des Menschen und die baulichen Elemente, die diese Aufgaben erfüllen. Diese den Hausbau konstituierenden Elemente sind nach der Theorie Gottfried Sempers:

- der Erdaufwurf oder Sockel, der das Verhältnis jedes Gebäudes zur Erde bestimmt und es gleichzeitig mit ihr verbindet wie es über sie erhebt.
- das Dach als elementarer Schutzschirm vor Sonne, Schnee und Regen
- die Umzäunung oder Wand als Grenze zwischen dem Innen des Hauses und der Welt und als Witterungsschutz vor horizontal wirkenden Witterungskräften
- der Herd und das Herdfeuer als Wärmelieferant, Ort der Speisenzubereitung und vor allem als Ort des sozialen Austausches.

Analog zu den vier Elementen Sempers stellte der erste der Studentenwettbewerbe, die  den in der seit 2004 realisierten 1:1-Projekten vorausgehen, die Aufgabe, aus ebenfalls vier Grundelementen eine in diesem Fall allerdings nutzlose „Architektur“ zu entwerfen, die eine reine Raum-Zeit-Erfahrung ermöglichen sollte. Frei von definierten Nutzungen und funktionalen Notwendigkeiten war ein Folly (folly, engl.: Narrheit, Torheit), eine architektonische Narretei zu entwerfen, die in Abwandlung der Semperschen Theorie folgende Elemente zu einer räumlichen Komposition zusammenführen sollte:

- eine Wand (vielleicht zwei oder drei!?) als Grenze, Barriere, Orientierung, Markierung
- eine Treppe als Element der vertikalen Bewegung, als Himmelsleiter,    
- eine Rampe als Element stufenloser Vertikalbewegung und Metapher für Landschaft
- ein Raum als Ort der Ruhe und Kontemplation, als „Zimmer mit Ausblick“
- ein Dach als Superzeichen

Das Projekt wurde aus Spendengeldern bezahlt und im Lichthof der Fachhochschule an der Ofener Straße 16 in Oldenburg realisiert. Die verwendeten Materialen waren Kanthölzer, OSB-Platten, schwarze Kunststofffolie und Farbe.

Gewinner/-in des Wettbewerbes: Peggy Hintzsche

Das Projekt wurde unterstützt von: Wittmunder Klinker, Relius und Herrn  Nanninga