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Transformationen historischer Industrieareale der Stadt

Kulturerbe, Stadtentwicklung und Architektur
DFG-Forschungsprojekt (2011-2014)

Dr. Heike Oevermann mit:
Prof. H. A. Mieg, Metropolenforschung Humboldt Universität Berlin
Prof. J. Cramer, Bau- und Stadtbaugeschichte TU Berlin

 

Die Ziele von bewahrendem Denkmalschutz und aktueller Architekturproduktion sind bei der Nutzung historischer Bauten grundsätzlich divergierend. Der Umgang mit historischen Industriebauten stellt zunehmend – auch in der Stadtentwicklung, deren Ziele sich naturgemäß von denen des Denkmalschutzes unterscheiden – eine bedeutende Herausforderung dar. Insbesondere die Einbindung von Kreativwirtschaft in die Stadtentwicklung, in Fällen wie Zeche Zollverein, verschärft die Diskussion über einen denkmalgerechten Umgang mit den historischen Bauten.
Das Projekt soll die Frage beantworten, wie der Denkmalschutz mit den divergierenden Zielen von Stadtentwicklung, Kreativwirtschaft und Architekturproduktion verbunden werden kann. Annahme für die Forschung ist, dass sich die Konflikte um Ziele bzw. die Konflikte infolge differenzierender Konzepte in den unterschiedlichen Wertsetzungen der Perspektiven begründen. Es wird systematisch herausgearbeitet, wo Gemeinsamkeiten zwischen den Perspektiven, insbesondere vermittelnde Wertsetzungen, bestehen. Diese werden im Hinblick auf die Ziele und Konzepte des Denkmalschutzes geprüft.
Perspektiven sind sozialwissenschaftlich betrachtet Diskurse, da sie Konzepte, Ziele und Wertsetzungen sowie Grundannahmen verbinden. Aus diesem Grund werden die Perspektiven mit Hilfe der sogenannten Diskursanalyse untersucht. Durch die Anwendung und Anpassung der Methode der Diskursanalyse (Synchrone Diskursanalyse) auf die Belange des Denkmalschutzes leistet das beantragte Projekt zudem eine Erweiterung des methodischen Instrumentariums der Forschung im Bereich des Denkmal- und Kulturerbeschutzes.
Das Projekt untersucht europäische Fallbeispiele für die Umnutzung historischer Industrieareale. Diese sind die Zeche Zollverein (Deutschland), das Hafenareal in Liverpool (Großbritannien), das Sulzer Areal in Winterthur (Schweiz) und das Falck Areal in Sesto San Giovanni bei Mailand (Italien). Verallgemeinerungen werden in einem internationalen Symposium (siehe: Cities and Change and Challenge) diskutiert. Abschließend wird eine Rückübersetzung der Ergebnisse der Empirie in die Theorie zum Diskurs Denkmalschutz geleistet werden.


Publikationen:

Oevermann, H., Mieg, H.A. (Eds.) (in press) Industrial Heritage Sites. Case Studies from Europe on Urban Transformation and the Clash of Discourses. London, New York: Routledge

Oevermann, H. (2012) Über den Umgang mit dem industriellen Erbe. Eine diskursanalytische Untersuchung städtischer Transformationsprozesse am Beispiel Zeche Zollverein. Essen: Klartext

Oevermann, H., Mieg, H.A. (2012) Städtische Transformationen erforschen: Die Diskursanalyse im Bereich Denkmalschutz und Stadtentwicklung. Forum Stadt 3/2012. 319-326